Beltane - der Sommer kommt

Die Walpurgisnacht wurde von unseren keltischen und germanischen Vorfahren völlig anders ausgelegt als heute üblich. Die Verknüpfung mit Hexen, die in dieser Nacht besonders aktiv sein sollen, erfolgte erst viel später im Mittelalter. Die christlichen Missionare trugen erheblich dazu bei, die eigentliche Bedeutung zu verwischen. Sie waren eifrig bemüht, die heidnischen Rituale der damals lebenden Menschen zu unterbinden. Für Beltane war die von ihnen verbreitete Panik vor Hexen überaus dienlich. Die Legende, dass sich die Hexen an diesem Termin an gewissen Orten treffen, schürte die Angst der Menschen, so dass sie sich statt vergnügt im Freien Feste zu feiern lieber eingeschüchtert in ihre Häuser einschlossen. Die heutige Bezeichnung Walpurgisnacht zeigt die gedankliche Verbindung zur Heiligen Walburga. Sie soll nämlich die Hexen auf dem Walberla in Franken bezwungen haben.

 

 

Der keltische Jahreskreis beinhaltet 4 Feste, die nach dem Stand der Sonne ausgerichtet waren, und 4 Feste, die sich nach dem Mond orientierten. Zu ihnen zählte Beltane, denn die Feierlichkeiten fanden stets am 5. Vollmond seit dem Julfest statt. Diesjährig fällt dieses Ereignis auf den 25. Mai. Mittlerweile hat sich jedoch die Nacht vom 30.04. auf den 01.05.2012 allgemein eingebürgert.

 

Während sich an Samhain die Natur zur alljährlichen Winterruhe verabschiedet, hat nach Auffassung der Kelten an Beltane endlich wieder die Sonne ihre Vormachtstellung eingenommen. Die kalte Jahreszeit ist ab diesem Datum restlos bezwungen. Alle Zugvögel sind dann bereits wieder aus ihren wärmeren Winterdomizilen zurückgekehrt und bauen ihre Nester, um für Nachwuchs zu sorgen. Endlich können auch die frostempfindlichen Pflanzen im Garten und auf den Feldern ausgesät werden, und mehr Sonnenstunden am Tag machen längere abendliche Aufenthalte im Freien bei Tageslicht möglich. Von nun ab stellt die Natur wieder genug frische Nahrung bereit und die Überbrückung mit Eingelagertem während der winterlichen Monate neigt sich ihrem Ende zu. Die Natur ist erwacht, das sommerliche Intermezzo kann beginnen. Dieses daraus resultierende Hochgefühl drückten die Menschen an Beltane mit fröhlichen, festlichen Aktivitäten aus.

 

Die Zeit der düsteren, gedrückten Stimmung weicht an Beltane einer angenehmen Leichtigkeit des Seins. Unsere Vorfahren feierten den Einzug des Sommers voller Hingabe. Überall errichteten sie große Feuer, die symbolisch das neue Leben darstellten. Beim Maisprung hüpften Verliebte gemeinsam über die Glut und versprachen sich dadurch Glück und Zufriedenheit für das kommende Jahr. Das Wiedererwachen der Natur zeigt sich zu Beltane vor allem an dem frisch ausgetriebenen Grün der Laubbäume, die während des Winters gänzlich kahl waren. Das Maigrün war für unsere Vorfahren in hohem Maße symbolträchtig, weshalb sie frisch begrünte Birken schlugen und sie auf Plätzen, an denen sie sich zum Feiern trafen, aufstellten. Die Birke galt als der Baum, der den Anfang und den Aufbruch versinnbildlicht. Er steht zudem für Optimismus, Unbekümmertheit und auch für die Fruchtbarkeit der nächsten Monate. Parallel dazu stellt das frisch ausgetriebene Gewächs stellvertretend den Weltenbaum dar, als Metapher der kosmischen Ordnung, bestehend aus Himmel, Erde und Unterwelt. Die Menschen aus früheren Epochen brachten Ihre Freude über den zurückgewonnenen Sommer mit ihren Tänzen rings um den Baum aus dem Wald zum Ausdruck. Geblieben ist bis heute der sogenannte „Tanz in den Mai“. Auch das Aufstellen des Maibaums ist noch in vielen Gegenden üblich und wird als alljährlich wiederkehrender, die Menschen fröhlich stimmender Brauch praktiziert. Heutzutage kann der Maibaum nicht hoch genug sein, weshalb er zumeist an einem reich verzierten Mast angebracht wird.

 

Die alten Traditionen ließen sich also doch nicht rigoros ausmerzen, so wie es sich die Kirche vorgestellt hatte. Das ist auch gut so, denn was wäre unser Dasein ohne die liebgewonnenen Gepflogenheiten, die das Leben bereichern, uns der Natur ein Stückchen näher bringen und dazu die sozialen Kontakte fördern.

 

Sicherlich gibt es auch in unserer unmittelbaren Umgebung Möglichkeiten, an Walpurgisfeiern und Maifesten teilzunehmen. Wer es dagegen vorzieht, in aller Stille den Sommer zu begrüßen, kann ein persönliches Ritual vollziehen. Wie wäre es mit einer am Vorabend des 1. Mai entzündeten Feuerschale im heimischen Garten? Auf diese Weise lässt sich die warme Jahreszeit mit lodernden Flammen aufs Herzlichste willkommen heißen.

 

 

Umermel

Ralph

 

 

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